Der traditionelle kurdische Tanz ist, wie wir ihn auch im
Balkan, Libanon, Iran oder im Kaukasus beobachten können, durch
gegenseitiges Händehalten geprägt und wird Gowend oder Gowand
genannt.
Der Govend ist ein Kreistanz, wobei im Zentrum des Kreises oft
Einzel- oder Paartänzer sind. Oft halten sich die Frauen und
Männer im Kreis die Hände, und sie halten farbenfrohe Tücher in
einem Halbkreis, der sich um den Kreis herum bewegt.
Die Gruppentänze kann man in zwei verschiedene Kategorien
einteilen. Bei dem langsamen und anmutigen Tanz reihen sich die
Tänzer Schulter an Schulter eng aneinander und führen den Tanz
mit kunstvollen und komplizierten Schritten aus. Gelegentlich
wird die Tanzrichtung geändert, indem sie den Kopf zum anderen
Tanzpartner drehen, jedoch wird dabei die Handhaltung niemals
unterbrochen. Dieser Ablauf wird mehrmals wiederholt. Bei
manchen langsamen Tänzen gibt sich jeder zweite Tänzer die Hand,
wobei die Arme hinter dem Nebenmann liegen. Bei einer Formation
von Mann-Frau-Mann-Frau bedeutet dies, dass sich nur die Männer
und nur die Frauen die Hand geben.
Im schnellen Tanz gehen die Tanznachbarn weiter auseinander,
wobei diese Bewegung mit dem Tempo der Musik abgestimmt ist. Sie
blicken dabei auf die Innenseite des Kreises oder auf den Rücken
ihres Tanznachbars, während sie sich um den Kreis herum bewegen.
Die beiden Tänzer im Zentrum des Kreises führen verschiedene
Tanzschritte vor und halten ebenso Tücher in ihren Händen.
Während ihrer Vorführung schauen sie sich an. Sie gehen während
der Tanzschritte auf und nieder, was vor allem in den
kaukasischen Tänzen Sitte ist. Meist wird von den Tänzern in der
Mitte durch ihre Schritte und ihre Mimik eine Liebesgeschichte
erzählt. In einem Tanz zum Beispiel offeriert der Mann dem
Mädchen im Kreis wertvolle Geschenke wie Edelsteine, Schmuck und
sogar ein Schwert, doch sie erwidert seine Liebe erst, als er
ihr einen Strauß Blumen überreicht.
Die kurdischen Tänze unterscheiden sich von Region zu Region, so
sind in Nordwestkurdistan die kunstvollsten Tänzer die Dimilas
oder Dêrsim. Die schnellen Tänze werden am besten von den Hay
Nara, Yala, Niri, Dêrsim, Shaykhane, Chupi und den Halparika
vorgetragen. Die Chupi benutzen für ihre Tänze manchmal Stöcke,
die einen Kampf um die Gunst der Geliebten oder einfach nur
einen Streit zweier Parteien darstellen sollen.
Meist werden die Tänzer von der Musik der Trommel (dulul) und
der Oboe (Surna) und manchmal von der Tambura begleitet. In
Südkurdistan agieren die Musiker auch noch als Sänger. Durch die
von den Besatzern verbotene Ausübung der kurdischen Kultur,
wurden diese Tänze auch immer mehr zu einem Politikum, so kann
man auch Peshmerga in ihren Uniformen tanzen sehen und Barzanî
sagte einmal: „Einer der nicht tanzen kann, ist kein Kurde.“
Zu den verschiedenen Tanztypen:
Dîlan: ist ein Hochzeitstanz,
Govend: ist ein Kreistanz, bei dem Partner und Tanzschritte
variieren
Giranî: ein langsamer Tanz
Milane: wird eng Arm an Arm getanzt
Dijhopî: ein Tanz, wo verschieden Sprünge vorgeführt werden
Hellperrîn: religiöser Tanz aus Hawraman, den man aber auch in
anderen Gebieten von Kurdistan findet.